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Im Dialog bleiben — auch wenn es schwierig wird

Das Bild zeigt einen Screenshot aus buzzard.orgEine Unter­richts­stunde über poli­ti­sche Unter­schiede, Zuhören und demo­kra­ti­schen Austausch

„Sollte man die Bedürf­nisse von AfD-Wählern ernst(er) nehmen?“ Mit dieser bewusst zuge­spitzten Frage begann eine Unter­richts­stunde in der 9. Klasse. Die Frage stammt aus einem Unter­richts­ent­wurf von buzzard.org und sollte die Schü­le­rinnen und Schüler zunächst dazu bringen, spontan eine eigene Posi­tion einzu­nehmen.
Im weiteren Verlauf ging es darum, diese erste Meinung zu über­prüfen: Welche Gründe können Menschen haben, eine bestimmte Partei zu wählen? Und kann man die Sorgen und Motive eines Menschen ernst nehmen, ohne seine poli­ti­schen Posi­tionen zu teilen?

Unter­schied­liche Perspektiven

Dazu beschäf­tigten sich die Schü­le­rinnen und Schüler mit unter­schied­li­chen Mate­ria­lien und Perspek­tiven. Eine wich­tige Grund­lage war eine aktu­elle Analyse des Poli­tik­wis­sen­schaft­lers Frank Decker auf der Website der Bundes­zen­trale für poli­ti­sche Bildung. Sie zeigt, dass die Wähler­schaft der AfD keines­wegs aus einer einheit­li­chen gesell­schaft­li­chen Gruppe besteht. Neben poli­ti­schen Einstel­lungen spielen auch soziale und persön­liche Erfah­rungen sowie Unzu­frie­den­heit mit der poli­ti­schen Entwick­lung eine Rolle.
Eine weitere Perspek­tive bot ein Beitrag des Baye­ri­schen Rund­funks mit Monchi, dem Sänger von Feine Sahne Fisch­filet. Darin geht es unter anderem um unter­schied­liche Motive von Menschen, die AfD wählen, und um die Frage, wie man mitein­ander im Gespräch bleiben kann, wenn poli­ti­sche Fronten verhärtet sind.

Dabei wurde für die Schü­le­rinnen und Schüler deut­lich: Verstehen bedeutet nicht auto­ma­tisch Zustim­mung. Man kann die Sorgen und Beweg­gründe eines Menschen ernst nehmen und gleich­zeitig poli­ti­sche Aussagen kritisch hinterfragen.

Was nehmen wir daraus mit?

In der anschlie­ßenden Diskus­sion wurden unter­schied­liche Posi­tionen vertreten. Die Schü­le­rinnen und Schüler disku­tierten darüber, ob gesell­schaft­liche Probleme und Sorgen stärker wahr­ge­nommen werden müssen und wie man mit Menschen umgehen kann, die poli­tisch ganz andere Vorstel­lungen haben.
Im Verlauf der Diskus­sion entwi­ckelte sich bei der Mehr­heit der Klasse die Über­zeu­gung: Wir sollten im Dialog bleiben.
Denn wer mitein­ander spricht, kann nach­fragen, Argu­mente austau­schen und viel­leicht besser verstehen, warum der andere eine bestimmte Posi­tion vertritt.
Gleich­zeitig bedeutet Dialog nicht, jede Meinung gutzu­heißen. Gerade dort, woMen­schen ausge­grenzt oder abge­wertet werden, braucht es eine klare Haltung. Das ist auch für uns als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ein wich­tiger Gedanke. Für Demo­kratie braucht es beides: die Bereit­schaft zum offenen Austausch und die klare Haltung für die Gleich­wer­tig­keit aller Menschen.

Die Unter­richts­stunde hat deshalb keine einfache Antwort auf die Ausgangs­frage gelie­fert. Sie hat viel­mehr eine weiter­füh­rende Frage aufge­worfen: Wie können wir mitein­ander im Gespräch bleiben, wenn wir uns poli­tisch immer weniger einig sind?

Eine Antwort darauf haben die Schü­le­rinnen und Schüler selbst gefunden: Indem wir einander zuhören.

 

Weiter­füh­rende Verweise

„Wahl­er­geb­nisse und Wähler­schaft der AfD“ – Bundes­zen­trale für poli­ti­sche Bildung

„Monchi – Jenseits der Brand­mauer“ – Baye­ri­scher Rundfunk

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